Freie Ufer und offene Wege für alle

Die Uferinitiative verlangt mehr Natur im Uferbereich aller Gewässer im Kanton Zürich und einen durchgehenden Seeuferweg am Zürichsee bis 2050. Fussgängerinnen und Fussgänger sollen freien Zugang an alle Zürcher Ufer haben und die Biodiversität im Uferbereich der Gewässer soll von der naturnahen Erschliessung profitieren. Die beliebten Uferwege rund um den Greifensee und den Pfäffikersee zeigen, wie Uferwege gut mit Naturschutz vereinbar sind. Mehr Fusswege mit ökologischer Aufwertung der Ufer an allen Gewässern sind deshalb wünschenswert.

Von 1830 bis zirka 1930 haben Private und Gemeinden den Zürichsee durch hunderte von Seeaufschüttungen bzw. Landanlagen verkleinert und mit Ufermauern hart verbaut. Dadurch und mit der gleichzeitigen Kanalisierung und Verbauung unzähliger Gewässer im ganzen Kanton verloren viele heimische Pflanzen und Tiere ihre Lebensgrundlage. Die Initiative verlangt deshalb, die Ufer ökologisch aufzuwerten und unberührte Teile ungeschmälert zu erhalten. Das ist ein wesentlicher Beitrag, um den Naturschutz zu stärken und die Biodiversität zu fördern.

 

Gerade die beiden Seen im Zürcher Oberland, der Pfäffiker- und der Greifensee, zeigen, dass dies funktioniert. Die bereits bestehenden Naturschutzgebiete mit Uferwegen werden entlastet. Gleichzeitig kommen alle Menschen im Kanton in den Genuss von mehr wertvollem Naherholungsraum und mehr Lebensqualität. Es gibt kaum Verschmutzung durch Spaziergängerinnen und Spaziergänger. Auch die Leinenpflicht für Hunde wird eingehalten. Die Artenvielfalt ist überaus gross. Der Erholungswert auch. Hier wird der Beweis erbracht, dass nicht stimmt, was Uferweggegner unermüdlich behaupten, nämlich, mehr freie Ufer schadeten der Natur. Ebenso wenig trifft es zu, dass private Besitzerinnen und -besitzer von Uferliegenschaften die Natur besser hegen und pflegen als der Kanton. In einem Streifen von 20 Metern ab Seeufer ist das Düngen und das Ausbringen von Pestiziden verboten. Wer am Zürichsee mit einem Ruderboot dem Ufer entlang fährt, muss nicht Gärtner sein, um festzustellen, dass die Gärten im Gewässerraum meist nicht naturfreundlich gepflegt werden. Englischer Rasen, der sein leuchtendes Grün starker Düngung verdankt, umgibt völlig unnötige und mit Chemikalien versetze Schwimmbäder direkt am See. Hohe immergrüne Neophyten, die wenig zu bieten haben für einheimische Tiere, kaschieren die Mauer, welche das Grundstück von der dahinter liegenden Seestrasse abschotten. Naturschutz im Uferbereich sieht anders aus! Dass der Naturschutz ein Grund sei, die Uferinitiative abzulehnen, entpuppt sich bei näherem Hinsehen als eigennützige Schutzbehauptung von Uferanwohnenden, welche das erholsame Verweilen am See und die wohltuende Aussicht über den See um keinen Preis mit allen anderen teilen wollen.

 

Die Nutzungsrechte und -pflichten auf dem See abgerungenem Land sind in Konzessionsverträgen geregelt. Diese enthalten öffentlich-rechtliche Eigentumsbeschränkungen, zum Beispiel Wegrechte. Es ist an der Zeit, diese einzufordern und die Wege auf dem längst für sie reservierten Land sorgfältig für Mensch und Natur zu gestalten. Für ergänzende Landerwerbskosten reicht der jährlich im Strassengesetz vorgesehene Betrag von 6 Millionen Franken für Uferwege. Offensichtlich fehlte der Regierung in den letzten Jahrzehnten der Wille zum Handeln. Sie stellte sich lieber in den Dienst einiger weniger Ufergrundstückbesitzer, statt ihren öffentlichen Auftrag zu erfüllen. So darf es nicht weiter gehen. Es braucht mehr freie Ufer für alle! Darum am 3. März ein Ja zur Uferinitiative.

 

Jonas Erni, Umweltingenieur, Kantonsrat SP, Stadtrat Wädenswil, Mitglied des Initiativkomitees